Aichhalder Nachrichten

Neuigkeit aus der Gemeinde

Wer erinnert sich noch?


Wer weiß es noch?
Es war vor 75 Jahren, am Sonntag, den 28. November 1943 (Erster Adventssonntag), da wurde ein Gebäude, das einzige in Aichhalden als Folge des Zweiten Weltkrieges beschädigt: Die Kirche, genauer gesagt der Kirchturm.
Von Frankreich her kamen Ballone über die Schwarzwaldhöhen, die 200 Meter lange Drähte hinter sich her zogen, um das deutsche Radar und damit die Flugabwehr zu stören. Der Draht eines solchen hatte sich in der elektrischen Leitung nahe der Kirche verfangen und dadurch die Explosion des Ballons ausgelöst.
Der damalige Pfarrer Paul Urbon berichtet, an diesem Sonntag habe sich die Gemeinde um 17.45 Uhr zu einer Andacht versammelt. Eine Viertelstunde später habe es eine mächtige Explosion gegeben. Die Kirche war in einen Feuerschein getaucht. Das elektrische Licht fiel aus. Die Kirchenbesucher vermuteten, es seinen Bomben gefallen. Nicht ganz ruhig, aber auch nicht panikartig, hätten sie die Kirche verlassen. Vor der Kirche und auf der Straße lagen Ziegel und Steine vom Kirchturm. Der First war abgedeckt und zum Teil weggerissen worden. Das 1 Meter hohe Kreuz des Kirchturms war heruntergefallen. Auf der Straße lagen Äste und Zweige der benachbarten Bäume herum. Die Telefon- und elektrischen Drähte waren abgerissen. Leute, die aus Richtung Heiligenbronn kamen, glaubten, die ganze Kirche würde brennen.
Personenschäden hat es nicht gegeben. Pfarrer Urbon meinte, wäre die Explosion etwas später, nach Ende der Andacht erfolgt, dann hätte Schlimmeres passieren können.
Wegen des bevorstehenden Winters wurde der Kirchturm nur notdürftig abgedeckt. Im Jahr darauf wurde er durch das Baugeschäft Albert Roth repariert. Dabei, so vermerkte Pfarrer Urbon, hätten die Schulbuben eifrig Handlangerdienste geleistet. So hätten sie Gelegenheit gehabt, auf den Kirchturm zu kommen und von oben auf die Welt zu schauen.

Textverfasser: Reinhold Kühner, Bürgermeister a.D.

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