Aichhalder Nachrichten

Neuigkeit aus der Gemeinde

Rehkitze werden aus der Luft gerettet


Von April bis Juli setzt die Rehgeiß die Kitze bevorzugt in hohem Gras ab. Gut getarnt, geruchlos und mit ausgeprägtem Drückinstinkt sind sie dort perfekt vor ihren Fressfeinden geschützt. Den modernen Mähmaschinen sind sie jedoch schutzlos ausgeliefert. Herkömmliche Wildschutzmaßnahmen helfen kaum, sind zeit- und personalintensiv.

Rolf Wetter, Jäger aus Aichhalden, nimmt sich dieses Problems seit einigen Tagen mit moderner Technik an. Mittels einer mit einer Wärmebildkamera ausgestatteten Drohne überfliegt er im Auftrag der Landwirte die Wiesen vor der Mahd. Die Drohne bewegt sich GPS gesteuert in einer Höhe von 50 m über dem Erdboden und liefert Bilder in Echtzeit an die Steuereinheit in den Händen von Rolf Wetter.

Dronenstart am frühen Morgen

Rehkitze sind aufgrund ihrer Körpertemperatur in den frühen, kühleren Morgenstunden deutlich als weißer Punkt zu erkennen. Aber auch andere Tiere oder Erdhügel erzeugen so einen Punkt. Sieht Rolf Wetter etwas Auffälliges, manövriert er die Drohne zum Boden und kann dann erkennen, ob sich tatsächlich ein Rehkitz im Gras duckt. Wenn das der Fall ist, lotst er seine Helfer per Funk zum Kitz, die das Tier dann mit Gummihandschuhen und Grasbüscheln retten.

Rehkitz im Grasgerettetes Rehlitz

Dabei müssen sie zwingend darauf achten, dass dies ohne direkten Körperkontakt geschieht. Denn nimmt ein Rehkitz Menschengeruch an, wird es in aller Regel von der Mutter verstoßen und muss folglich verhungern. Das gerettete Rehkitz wird außerhalb der Mähfläche abgelegt und nach der Mahd freigelassen. Die Rehgeiß ist meist in der Nähe und holt ihren Nachwuchs ab.

Rolf Wetter, der extra einen Drohnenführerschein erworben hat, wird bei seiner Arbeit von rund 15 Helfern unterstützt, die ihn in wechselnder Besetzung in den frühen Morgenstunden begleiten. Begonnen wird zwischen 2:30 Uhr und 3:30 Uhr mit der Suche. Gesucht wird 4 bis 6 Stunden. Im Anschluss widmen sich Herr Wetter und seine Helfer wieder ihren eigentlichen Tätigkeiten. Trotz des Schlafmangels ist Herr Wetter zufrieden. Bisher konnte er 13 Kitze vor dem grausamen Mähtod retten.

Die Kitzsuche ist für die Landwirte derzeit kostenfrei, die Beteiligten arbeiten alle ehrenamtlich. Auch die teure technische Ausstattung im Wert von ca. 10.000 € wurde von Rolf Wetter auf eigene Kosten beschafft. Unterstützt wurde das Projekt über eine Crowdfunding-Plattform im Internet und zu einem Drittel durch private Spenden.

Die Gemeinde Aichhalden dankt Herrn Wetter und seinen Helfern herzlich für die Initiative und ihren Einsatz für die Rettung der Kitze.


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